Page 2 - Der aktuelle Gemeindebrief der EFG Forst
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„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie
        versiegender Bach.“

                                                                                        Monatsspruch Juli

                                                                          (Amos 5,24 – Lutherbibel 2017)


                                                                             Das  Buch  Amos  hält  eine
                                                                             bemerkenswerte Spannung aus:
                                                                             Auf  der  einen  Seite  steht  eine
                                                                             tödliche  Diagnose.  Gleich  zu
                                                                             Beginn  von  Kapitel  5  heißt  es,
                                                                             das Volk Israel sei gefallen und
                                                                             werde  nicht  wieder  aufstehen
                                                                             (Am 5,1–3). Die Worte sind hart,
                                                                             endgültig,        fast        ohne
                                                                             Auswegperspektive.       Auf    der
                                                                             anderen Seite aber ruft dieselbe
                                                                             prophetische               Stimme
                                                                             leidenschaftlich:  „Suchet  das
                                                                             Gute und nicht das Böse, damit
                                                                             ihr  lebt“  (Am  5,14).  Zwischen
                                                                             Gericht und Hoffnung bleibt also
                                                                             ein  Raum  offen  –  ein  Raum,  in
                                                                             dem Veränderung möglich ist.

                                                                             Mitten in dieser Spannung steht
                                                                             der       Monatsspruch          aus
                                                                             Amos 5,24:  „Möge  das  Recht
                                                                             heranrollen wie Wasser und die
        Gerechtigkeit wie ein Fluss, der nicht versiegt.“ Dieser Vers wirkt auf den ersten Blick sperrig
        in  seinem  düsteren  Umfeld.  Und  doch  ist  er  das  positive  Gegenstück  zu  den  Klagen  der
        prophetischen Stimme, die anprangert, dass Recht in Wermut verkehrt und Gerechtigkeit zu
        Boden geworfen wurde (Am 5,7). Wo alles nach Untergang aussieht, wird der Gerechtigkeit
        immer noch eine Chance gegeben – eine große sogar.

        Recht  wie  Wasser  –  das  ist  kein  gelegentlicher  Tropfen,  sondern  eine  unaufhaltsame
        Bewegung.  Besonders  plastisch  zu  verstehen  für  Menschen,  die  in  einem  Land  großer
        Wasserknappheit leben – oder in Zeiten knapper wirtschaftlicher Ressourcen, so wie wir sie
        heute stark empfinden. Gerechtigkeit = Wasser = Leben!
        Gerade  darin  liegt  die  Hoffnung  dieses  Textes.  In  Zeiten  wirtschaftlicher  Unsicherheit,
        steigender Preise und angekündigter Reformen des Sozialstaates wirkt Gerechtigkeit schnell
        wie ein Luxus, den man sich nicht leisten kann. Doch das Gegenteil ist der Fall: Gerechtigkeit
        ist  die  Grundlage  für  ein  funktionierendes  Zusammenleben.  Ohne  sie  verlieren  Menschen
        Vertrauen,  Halt  und  Perspektive.  Das  Buch  Amos  erinnert  daran,  dass  Gerechtigkeit  kein
        Nebenprodukt  guter  Zeiten  ist,  sondern  die  Bedingung  dafür,  dass  eine  Gesellschaft  stabil
        bleibt. Wir sind gefragt, diesen Gedanken ernst zu nehmen und unseren Beitrag dazu zu leisten,
        dass der Strom der Gerechtigkeit nicht versiegt.

                                                                                                     Dirk Sager
                                                                              Theologische Hochschule Elstal

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